Zur Fotografie

 

Wo ist das Ende der Reise eines Fotos?

In welcher Beziehung steht ein Betrachter meinem Foto gegenüber?

Was ist Inszenierung?

Was ist es, das ich der Wirklichkeit entreiße, wenn ich ein Foto mache?

 

Braucht ein Foto einen Zuordnungsbezug, um als Dokument wahrgenommen zu werden?

Wie werden Fotografien definiert?

Durch Wissen über das Fotografierte?

 

Der Philosoph und Literaturkritiker Roland Barthes sagt, ein Foto gehe „weniger nach vorn“ als der Film.

 

Arno Geiger sagt, das stimme nicht: Ein Foto eines Menschen, der von einem Turm ins Wasser springe, gebe uns Einblick in die vergangene Zukunft, den Aufprall auf/das Eintauchen in das Wasser.

 

Der Vorarlberger Schriftsteller Geiger meint, je mehr Distanz man zu einer Fotografie habe, desto größer komme sie einem vor.  Er sagt auch, der Mensch sei ganz geboren, durch ein Foto werde sein Leben zerstückelt.

 

Mehr noch, wir entreißen der Wirklichkeit/der Zeit mit jedem Foto ein Scheibchen – eine Abbildung des Momentes, der Vergangenheit (beim Betrachten – sind doch schon einige Sekunden vergangen).

 

Haben wir tatsächlich eine bildlich verankerte Vergangenheit?

Auf Familienfotos?

Haben wir?

Ist das Betrachten der Vergangenheit Hinweis auf die Zukunft?

Ist der Betrachter durch das Betrachten in die Szene integriert?

Bekommt der Betrachter Anteil am Mysterium der Fotografie?

Ist es ihm bewusst?

 

Was macht eine Inszenierung aus?

Vielleicht der Umstand, dass die inszenierten Personen sonst in dieser Form nicht zusammengekommen wären?

Zum Beispiel auf einem Familienfoto, bei dem der Hund unter die Leute drapiert wird.

 

Wer tut so etwas normalerweise?

Was macht – gegenteilig – einen Schnappschuss aus?