Erika Pluhar - Spätes Tagebuch

 

Jüngst hatte ich das Vergnügen, während einer Zugfahrt auf eine belesene, ältere Dame zu treffen. Wir beide gingen mit allerhand Lesetipps auseinander, die wir uns im Verlauf der Reise gegenseitig gegeben und auch brav notiert hatten. Eines der mir ans Herz gelegten Bücher kaufte ich wenige Tage später und wurde nicht enttäuscht.

 

Es handelt sich um den Roman "Spätes Tagebuch" aus der Feder der ehemaligen Burgschauspielerin Erika Pluhar. Dem Buch näherte ich mich zugegeben eher skeptisch, erzählt es doch die Geschichte einer 70-jährigen Frau, die Tänzerin war und nun zu schreiben beginnt. Klang für mich allzu sehr nach "Pluhar über Pluhar". Kurzum, ich habe der Autorin mit meinen Vorbehalten Unrecht getan: den 220-Seiten-Roman kann man nicht verschlingen. Nein, vielmehr ertrinkt man darin.

 

Die Sicht der Figur auf Beruf, Dasein und die Liebe, vor allem die Liebe, eingebettet in die Verfasstheit des Alterns, ist von derart hoher poetischer Kraft, dass es sich lohnt, in jedem der Abschnitte zu verweilen, darüber und über die eigenen Haltungen nachzudenken, und nicht zuletzt, eine Sehnsucht zu entwickeln, in gleichsamer Offenheit und innerer Jugendlichkeit dem Altern zugewandt zu sein. Ein durch und durch gelungenes, wunderbares Buch.

 

Die Buchempfehlung erschien am 6. März 2010 in den VN (Vorarlberger Nachrichten)