Das Adolf Holl Brevier

 

Vor einigen Wochen las ich einen Artikel über ein kleines Büchlein, das im Residenz Verlag zur Neuerscheinung geplant war. So notierte ich mir Titel und Verlag, da ich den kirchenkritischen Autor, Referenten und beliebten Studiogast sehr schätze. Ich hatte mir in einer früheren Notiz zum Autor angemerkt, dass er den wohl schönsten Satz geprägt hat, der mir zum Glauben passend erscheint: „Wer sich auf Gott einlässt, tut dies auf eigene Gefahr“. Ein toller Satz.

 

Nun, einige Wochen später, kann ich die Textsammlung – inzwischen mehrmals gelesen – nur wärmstens empfehlen. Adolf Holl kennt keine Gnade, wenn es um die Reflexion christlichen Gedankenguts geht, wenn es um die Reflexion weithin propagierter Glaubenswahrheiten geht, nicht zuletzt, wenn es um Kirchenkritik geht. Durchwirkt ist sein Buch „Das Adolf Holl Brevier“ durch und durch von religionskritischen Texten, jedoch ebenso durch und durch – so stellt der Herausgeber Walter Famler punktgenau richtig fest, ohne das Religiöse zu denunzieren.

 

Die Struktur des Buches hält sich an das Kirchenjahr: Dem Advent (Beginn des Kirchenjahres) folgen Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten, weiters Fronleichnam, Mariae Himmelfahrt und schließlich Allerseelen - wobei nicht die Texte selbst die entsprechenden Abschnitte prägen (es sind keine "Erklärungen" zu erwarten), sondern vielmehr deren Geist prägt das Geschilderte selbst - literarisch gesprochen: der Subtext meint die Zeit. Das Buch schließt unter dem Titel "Möglicherweise leben wir schon in einer Nachwelt" mit einem Interview mit dem Religionskritiker Holl, geführt von Erich Klein. Wunderbar zu lesen, Holls deutliche, sehr deutliche Worte.

 

Ein kleiner Textauszug aus dem Abschnitt "Weihnachten" sei mir erlaubt abzubilden. Allein dieser Absatz sagt genug, um das Buch käuflich zu erwerben (da es voll ist mit solchen Passagen):

 

„Durch unsere Beharrlichkeit ist Gott gezwungen zu existieren, durch die Gebete bildet sich sein Ohr, durch unsere Tränen können seine Augen sehen, durch Fröhlichkeit erscheint sein Lächeln. Flügel sind gut für Engel. Den menschen muss zum Fliegen das Gebet genügen. Es steigt auf über Wolken und Regen, über Zimmerdecken und Bäume. Jeder von uns hat einen Engel bei sich.“

 

Wunderbar, wie gesagt.

 

Das Adolf Holl Brevier

Residenz Verlag

ISBN 978-3-7017-3184-8

220 Seiten

19,90 Euro